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Die Wucht der Reformation

Die Reformation, die vor 500 Jahren begann, bedeutete für das Kloster Haina eine schicksalhafte Wende. Der hessische Landgraf Philipp I., genannt „der Großmütige“, schloss sich nach anfänglichem Zögern 1524 der Lehre Martin Luthers an und wurde einer der wichtigsten politischen Führer der Protestanten. 1526 führte er in Hessen die Reformation ein, ein Jahr später löste er die Klöster auf und beschlagnahmte ihren Besitz. In Marburg gründete er in den Gebäuden dreier Stadtklöster die erste protestantische Universität der Welt, sie wurde vor allem für die Ausbildung evangelischer Pfarrer und Juristen gebraucht. Die Abtei in Haina wurde 1533 in eine neu errichtete Hospital-Stiftung eingebracht und zu einer Fürsorgeanstalt für arme, alte und kranke Männer vom Lande umgewandelt. Die Einkünfte des Wirtschaftsbetriebes kamen nun den Hospitaliten und der neuen Hochschule zugute.

Der Landgraf und der böse Vogel

An diese bewegte Zeit erinnert in Haina der so genannte Philippstein, eines der bedeutendsten protestantischen Denkmäler in Deutschland, das 1542 der Frankenberger Bildhauer Philipp Soldan geschaffen hat. Es zeigt den Landgrafen im Harnisch und mit Federhut zusammen mit seiner Ahnin, der in Marburg gestorbenen heiligen Elisabeth von Thüringen, die einen Bedürftigen, den biblischen Lazarus, beköstigt. Dazwischen ist als böser Vogel mit Menschengesicht und goldener Mönchskappe eine so genannte Harpyie zu sehen, ein Geschöpf aus der griechischen Mythologie. Das Fabelwesen ist mit einer Kette an einen Geldkasten gefesselt und symbolisiert so im Geiste Luthers das habgierige, heuchlerische und damals sehr umstrittene Mönchtum, dem der Landgraf nun die Abtei in Haina und weitere Klöster weggenommen hatte, um sie dem „gemeinen Nutz“ zuzuführen.

Heimliche Zweitehe

Philipp stand, als das Monument errichtet wurde, politisch unter starkem Druck. Zwar hatte er mit Tatkraft und diplomatischem Geschick ein Bündnis der protestantischen Reichsfürsten geschmiedet und dem katholischen Lager, das von Kaiser Karl V. geführt wurde, wichtige Zugeständnisse abgerungen. Durch eine heimliche Zweitehe mit dem sächsischen Hoffräulein Margarete von der Saale jedoch brachte er sich bei Freund und Feind in Verruf und schwächte damit die Position der Protestanten. Um einer Bestrafung zu entgehen, gab Philipp dem Kaiser in gewissen Punkten nach. Zudem geriet er nach einem verlorenen Waffengang, dem „Schmalkaldischen Krieg“, 1547 für fünf Jahre in kaiserliche Gefangenschaft.

Dramatische Phase der Reformation

Der Philippstein markiert in diesem Prozess eine dramatische Phase, in welcher der Erfolg und der Fortbestand der Reformation gefährdet waren. Experten werten die eigenwillige Bildsprache des Monuments deshalb als einen Hinweis auf die sozialpolitischen Leistungen des Landgrafen und als Mahnung, diese Errungenschaften nicht preiszugeben. Als das Denkmal 1542 errichtet wurde, waren nämlich eine Auflösung der Hospitalstiftung und eine Rückkehr der Mönche nach Haina nicht auszuschließen. Zehn Jahre später allerdings konnte Philipps Sohn Wilhelm IV. im Bündnis mit den anderen protestantischen Fürsten durch eine neue Erhebung ein Scheitern der Reformation verhindern.

Abt im Exil

Die Botschaft des Philippsteins richtete sich auch an die Kritiker im katholischen Lager, die dem hessischen Landgraf vorwarfen, er wolle sich an den Klöstern nur persönlich bereichern. Der abgesetzte Hainaer Abt zum Beispiel und weitere Mönche lehnten im Unterschied zu den meisten ihrer Mitbrüder die angebotene finanzielle Abfindung und einen Übertritt zum Protestantismus ab. Vom Exil in Mainz aus prozessierten sie jahrelang gegen Philipp und versuchten, unterstützt vom Kaiser, möglichst viele Klostergüter zu behalten oder wiederzuerlangen. Sie drangen damit aber letztlich nicht durch. Am Ende wurde der vertriebene Hainaer Konvent nach mehr als einem Jahrhundert, nämlich 1648, wieder dem Mutterkloster Altenberg im Bergischen Land eingegliedert. Von dort war 1188 die Gründung ausgegangen, nun schloss sich der Kreis.