Mit einem Kloster verbindet man nicht unbedingt auch umfangreiche ökonomische Aktivitäten. Doch hatten die Mönche natürlich Sorge dafür zu tragen, dass die Mitglieder des Konvents ihr Auskommen fanden und sich ernähren konnten. Sie unterstützten auch Arme und Bedürftige und gaben Pilgern und Reisenden zu essen. Die Zisterzienser, die nach der alten Benediktiner-Losung „Bete und arbeite!“lebten, betrieben traditionell eine intensive Land-, Forst- und Teichwirtschaft, auch in Haina. Ihre Erzeugnisse wurden in der ganzen Großregion verkauft und warfen zeitweise beträchtliche Gewinne ab. Einige der Fischteiche sind bis heute erhalten, und die Hainaer Stiftungsforsten erwirtschaften bis heute ansehnliche Gewinne, die dem Landeswohlfahrtsverband Hessen zugute kommen (Siehe Abteilung Stamford’scher Garten).

Eine kleine Gewerbezone 

Im späten Mittelalter kam noch eine kleine Gewerbezone hinzu, die sich nach und nach herausbildete. In dem Gebiet östlich von Haina, wo auch das Dorf Bergfreiheit mit seinem historischen Bergwerk liegt, erzeugte man mit Hilfe von Erzen und Holzkohlen Schmiedeeisen. Man verfügte später auch über Erzgruben, Poch- und Hammerwerke sowie Gießhütten, in denen Erz verhüttet und Eisen geschmolzen wurde. Die Produktion wurde in der Zeit der Reformation erheblich ausgeweitet, nachdem der hessische Landgraf Philipp der Großmütige 1527 alle Klöster aufgehoben und das Kloster Haina 1533 in eine Stiftung eingebracht hatte, die der sozialen Fürsorge für kranke und arme Landbewohner diente.

Hochöfen auf dem Dorf

Ab etwa 1540 war man dank fortgeschrittener Technik in der Lage, auch flüssiges Gusseisen herzustellen. Eisenhütten mit bis zu sechs Meter hohen Hochöfen wurden in den Dörfern Dodenhausen, Fischbach und Armsfeld betrieben. In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Hainer Hüttenindustrie ihre Blütezeit. Ihr Verkaufsschlager wurden gusseiserne Öfen, davon wurden in den fast 150 Jahren zwischen 1555 und 1699 mehr als 6.000 Exemplare hergestellt und in ganz Europa verkauft. Die Ofenplatten wurden künstlerisch gestaltet und beispielsweise mit religiösen Motiven versehen.

Eine „eiserne Bibel“

Dafür engagierte man unter anderen den Bildhauer und Formenschneider Philipp Soldan aus Frankenberg, der von etwa 1500 bis 1570 lebte. Soldan schnitzte aus Birnbaum- oder Lindenholz die so genannten Modeln, die als Vorlagen für den Eisenguss dienten. Man bezeichnete die daraus gefertigten Ofenplatten als „eiserne Bibel“, weil der Künstler dafür biblische Motive wie die Hochzeit zu Kana oder das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus wählte. Philipp Soldan gilt deshalb als Bildhauer der Reformation. Er ist auch der Schöpfer des Philippsteins in der Klosterkirche von Haina, auf dem der hessische Landgraf Philipp der Großmütige als sozialpolitischer Pionier präsentiert wird.

Siehe dazu auch den Bericht „Aus den Eisenhütten des Klosters Haina“.