Zu den Sehenswürdigkeiten des Klosters Haina gehört auch die so genannte Hasenglocke, die im Turm der frühgotischen Kirche aufgehängt und dem breiten Publikum nicht ohne weiteres zugänglich ist. Sie weist als Besonderheit eine Verzierung auf, die drei kreisförmig angeordnete Hasen darstellt. Jedes dieser Tiere teilt ein Ohr mit dem Nachbarn, sodass im Ganzen nur drei Ohren zu sehen sind, obwohl es eigentlich sechs sein müssten.
Schon lange wird gerätselt, was diese symbolträchtige Konfiguration wohl darstellen soll. Ist es eine Anspielung auf die Dreifaltigkeit Gottes? Oder hat man den Hasen als Symboltier eines Heiligen zu verstehen, etwa des heiligen Martin? In Paderborn, wo das Symbol in einem Fenster im Kreuzgang des Doms zu finden ist, wird darauf verwiesen, die drei Hasen seien schon vor Christus in Asien und im Mittelalter auch in Europa weit verbreitet gewesen. Sie finden sich auch an einem Schlussstein im Dom zu Münster und im Kreuzgang der einstigen Zisterzienserabtei Hardehausen in Warburg (NRW).
Die Bronzeglocke in Haina, die 97 Zentimeter hoch ist und auf der Unterseite einen Durchmesser von 94 Zentimetern hat, wurde in der Gründungsphase des Klosters, vermutlich zwischen 1227 und 1230, gegossen. Dies fand 2025 der Gießener Kunsthistoriker Prof. Dr. Markus Späth heraus, als er vier andere ebenfalls auf der Glocke angebrachte Verzierungen untersuchte. Sie weisen auf die beiden Herrscher hin, die damals für das Kloster Haina wichtig waren, den Erzbischof von Mainz und den Landgrafen von Thüringen.
Nähere Informationen siehe unter Geheimnisse der Hasenglocke.
Literatur
- Andrew/Chapman/Greeves, Three Hares: S. Andrew/C. Chapman/T. Greeves, The Three Hares: A Curiosity Worth Regarding, South Molton 2016
- Späth, Markus: Klingende Münze, tönendes Siegel: Akustik und Reproduktion in der Dreihasenglocke aus dem Zisterzienserkloster Haina, in: Bosselmann-Ruickbie, Antje, Späth, Markus und Schulz, Matthias (Hrsg.): Silke Tammen (1964-2018) zum Gedenken, Bd. 2: Nachdenken über Sinne, Bildwahrnehmung und Materialität: Silke Tammens Forschungen auf der Spur, Heidelberg: arthistoricum.net, 2025, S. 35–50. https://books.ub.uni-heidelberg.de//arthistoricum/catalog/book/1620
- Wickel, Carl: Die Glocken des Klosters, späteren Landeshospitals Haina (Kloster), Bezirk Cassel, in: Hessen, Volk und Scholle: Heimatblätter für beide Hessen, Nassau und Frankfurt 3,11, 1925, S. 331–337.
- https://dioezesanmuseum-paderborn.de/drei-hasen-fenster/
