Die Freunde des Klosters Haina haben sich für die nächsten Jahre ein umfangreiches Arbeitsprogramm vorgenommen, das durch eine Reihe von Jahrestagen vorgegeben ist. Wie die Vereinsvorsitzende Heike Hartmann-Frank bei der jüngsten Mitgliederversammlung mitteilte, stehen dabei die Folgen der Reformation in Hessen vor 500 Jahren im Vordergrund. Das Kloster Haina sei nun einmal „ein wichtiger Ort der Reformation“ gewesen, sagte sie, und dieser Tatsache wolle der Kulturverein mit seinen Aktivitäten Rechnung tragen.

Schon im laufenden Jahr 2026 soll daran erinnert werden, dass vor genau 500 Jahren der hessische Landgraf Philipp der Großmütige (1504-1567) als einer der ersten deutschen Fürsten sich die Lehre Martin Luthers zu eigen machte. Auf einer Synode in Homberg (Efze) versammelte er im Oktober 1526 Vertreter der Städte, des Adels und des Klerus und leitete die Reformation in Hessen ein. Es folgten 1527 die Aufhebung aller 37 Klöster in der Landgrafschaft und 1533 die Einrichtung einer Wohltätigen Stiftung, mit der die Abtei zu einem Spital für Arme und Kranke umgewidmet wurde.

An diese Ereignisse soll in Haina im Herbst dieses Jahres mit der Aufführung eines Theaterstücks erinnert werden. Am 10. Oktober präsentiert in der Klosterkirche eine Laienspielgruppe aus Homberg (Efze) ein Stück, in dem die Synode von 1526 teilweise nachgestellt wird. Die historische Szenerie wird freilich verknüpft mit Dialogen heutiger junger Menschen, die sich mit dem Geschehen vor 500 Jahren kritisch auseinandersetzen.

Für 2027 plant der Verein der Freunde des Klosters Haina nach den Worten der Vorsitzenden eine umfangreiche historische Ausstellung in der Kirche, wo an der Längsseite eine Reihe von Tafeln mit Informationen und Schaubildern aufgestellt werden sollen. Auf ihnen wird die 300-jährige Geschichte der Zisterzienser in Haina dargestellt. Sie hatten das Kloster 1188 auf der Aulesburg bei Löhlbach gegründet und dann ins besser geeignete Tal der Wohra verlegt. 1215 wurde mit dem Bau der frühgotischen Kirche begonnen. Viele Jahre lang war Haina das größte und reichste aller Klöster der Landgrafschaft Hessen mit Besitztümern in mehr als 300 Orten.

Nach der Aufhebung 1527 kamen die Einkünfte der Abtei dem Landgrafen Philipp dem Großmütigen zugute, der damit unter anderem die Gründung der ersten evangelischen Universität der Welt in Marburg finanzierte. 1533 begann dann die Geschichte des Hospitals Haina, das zunächst in den Räumen der historischen Klosteranlage untergebracht war, in den folgenden Jahrhunderten aber weit darüber hinauswuchs. Es befindet sich heute im Besitz des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen und ist der Sitz der Vitos Haina eGmbH, die auf die Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen spezialisiert ist. Das Unternehmen betreibt drei Kliniken und 28 weitere Einrichtungen an zwölf Standorten. Gemeinsam mit Vitos Haina will der Verein der Freunde des Klosters Haina im Jahr 2033 mit verschiedenen Veranstaltungen das Jubiläum begehen. Auch bei den anderen Projekten wird nach den Worten von Heike Hartmann-Frank eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit angestrebt.  

Eines weiteren historischen Einschnitts ist im Jahr 2028 zu gedenken. Dann sind es exakt 100 Jahre, seit Haina zur selbständigen Gemeinde erhoben wurde. Zuvor waren die relativ wenigen Häuser des Dorfes noch Teil der Klosteranlage, erst 1928 begann die Ära der kommunalpolitischen Selbständigkeit. Aus diesem Anlass soll mit einer Gruppe von Autoren eine Publikation vorbereitet werden, in der sowohl die Entwicklung der Gemeinde Haina als auch die Geschichte der Pfarrei das Thema sind.

Das Jahr 2029 wiederum ist ein wichtiges Datum für alle Freunde der bildenden Kunst. Exakt 200 Jahre zuvor, am 26. Juni 1829, verstarb in Eutin in Schleswig-Holstein im Alter von 78 Jahren der Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der 1751 in Haina geboren wurde. Er porträtierte 1786/87 in Rom den Dichter Johann Wolfgang Goethe und wurde dadurch der berühmteste aller Angehörigen der Malerfamilie Tischbein, die in Haina ihren Ursprung hatte. Aus der Ehe des Bäckermeisters Johann Friedrich Tischbein (1683-1764) und seine Frau Susanne Margaretha (1690-1772) gingen in drei Generationen nicht weniger als 42 bildende Künstler und Künstlerinnen hervor, eingeheiratete Schwiegersöhne mitgerechnet. Von ihnen spielten wenigstens vier, vor allem der „Goethe-Tischbein“, in der Zeit des deutschen Klassizismus eine bedeutende Rolle. Wie dieses Ereignis in Haina begangen werden soll, ist derzeit noch Gegenstand interner Erörterungen. In jedem Fall sind Vorträge und eine Ausstellung geplant.